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    Drei-Länder-Trip in West-Afrika

    Ostafrika ist toll und touristisch super interessant. Aber auf Westafrika bin ich auch neugierig. Dort liegt das Land, aus dem die meisten in der deutschen Öffentlichkeit bekannten Afrikaner stammen, nämlich Ghana, die ehemalige Goldküste. So erlaubte ich mir im Jahre 2008 einen ersten kurzen Besuch inklusive eines Trips in die französischsprachige Nachbarschaft: Togo, Benin.


    Festung Elmina Labadi Beach Togoville Bauernmarkt Elmina Unterwegs in Ghana, Togo, Benin


    Jeder kennt Kofi Annan, den ehemaligen UNO-Generalsekretär (Kofi bedeutet übrigens „der am Freitag geborene“ in der Fante-Sprache, dem Akan-Dialekt der Central Region), oder die Dutzende von Fussballspielern von Anthony Yeboah aus der Ashanti-Hauptstadt Kumasi bis zum ehemaligen Mitglied der deutschen Nationalmannschaft Gerald Asamoah. Und meine Lieblingsschauspielerin ghanaischer Herkunft ist natürlich Liz Baffoe, die 12 Jahre lang die Nigerianerin Mary aus der Lindenstraße spielte. Ein Land, aus dem solche Leute kommen, muss man einfach gesehen haben.

    Dabei hatte der eigenständige Staat zu seiner Geburtsstunde im Jahre 1957 noch nicht einmal einen eigenen Namen. Als britische Kolonie (1844 - 1957) hieß das Land GOLD COAST, obwohl das Gold nie direkt an der Küste zu finden war. Noch heute kann man im Landesinneren in Kumasi den Thron aus purem Gold der Ashanti-Könige bewundern. Und noch heute gibt es einige industrielle Goldminen, die ca. 4 g Gold pro Tonne Erde ausbeuten. Der Name Ghana hingegen ist wohl eine Leihgabe aus der nordwestlichen Nachbarschaft. Bis zum 11-ten Jahrhundert bestand ein sagenumwobenes Großreich namens Gana entlang der Karawanenrouten auf den Gebieten des heutigen Mali, Mauretanien und Senegal.

    Die ersten Europäer, die an der Küste von Guinea, wie man zu dieser Zeit mehr oder weniger ganz Westafrika zu nennen pflegte, aufkreuzten, waren die Portugiesen. Die Gier nach ein wenig Pfeffer zum gutem Essen trieb sie zur Suche nach einer Route nach Indien um Afrika herum. Auf dem Landwege gab es zuviele Widersacher, die Araber verteidigten eifersüchtig ihr Handelsmonopol. Danach kamen Niederländer, Dänen und Briten, die schließlich die Vorherrschaft in diesem Gebiet Westafrikas errangen. Die eindrucksvollsten Hinterlassenschaften dieser Besucher findet man in Cape Coast Castle und Elmina.

    Ghana ist, wie die meisten afrikanischen Länder, ein Vielvölkerstaat. Ca. 80% sprechen die Akan-Sprache Twi als Muttersprache und beherrschen normalerweise auch die Amtssprache Englisch. Dagegen spricht man in sämtlichen Nachbarstaaten französisch, so auch in Togo, dessen Grenze weniger als 250 km von Ghanas Hauptstadt Accra entfernt ist. Trotz meiner eher mangelhaften bis nahezu nicht existenten französischen Sprachkenntnisse und trotz widersprüchlicher Bewertungen der in Accra lebenden Engländer, die man am Labadi Beach und in der Monsoon Bar in Accras Ausgehviertel Osú trifft und von „The food is very nice!“ bis zu „Oh, I have heard so many bad things about that country, I would never go there!“ lauten, wollte ich natürlich einen Besuch in der ehemaligen deutschen Kolonie nicht versäumen.

    Ausflug nach Togo

    So saß ich eines Morgens um 7:30 Uhr im STC-Bus nach Aflao, der ghanaischen Grenzstadt nach Togo, die direkt an Lomé grenzt. Die Fahrkarte zu knapp 5 Euro hatte ich schon am Tag zuvor am zweiten STC-Busbahnhof gekauft. In Accra war ich von Fototouren nach Cape Coast und Accra Zentrum abgesehen, normalerweise am Morgen im Bett, am frühen Nachmittag am Strand und in der Nacht in den Kneipen und Bars, meistens im Ausgehviertel Osú. Das wird schnell langweilig. So war ich gespannt, wie es in Togo weiter geht.

    Nähert man sich Togo, so kommt der Bus durch das Mündungsgebiet des Volta-Flusses, nach dem früher einmal Burkina Faso (Hauptstadt Ouagadougou, sprich Wuagadugu, mit allerdiplomatischsten Grüßen an Herrn Steinbrück) benannt war:   nämlich Obervolta ! Neben schönen Küstenlandschaften konnte ich aus dem Bus heraus zwei Mal seltsame Dinge beobachten. Zum einen eine mittelalte Frau, die mit freiem Oberkörper die Hauptstraße entlang spazierte und stolz ihre Riesentüten präsentierte. In einer Ortschaft ging ein großer schlanker Typ um die 20 an der Straße, der ein rotes T-Shirt trug, und sonst:  nichts ! Auf Etikette scheint man keinen großen Wert zu legen. Die Bevölkerung hier gehört zum Volk der Ewe, genau wie auf der anderen Seite der Grenze. Das kommt daher, dass nach dem ersten Weltkrieg das ehemalige deutsche Togoland 1:2 in ein britisches und ein französisches Togoland aufgeteilt wurde. Das britische Togoland kam dann irgendwann zur Gold Coast, während das heutige Togo dem französischen Togoland entspricht. Daher ist die ghanaische Grenzstadt Aflao eigentlich ein ehemaliger Stadtteil der togolesischen Hauptstadt Lomé. Kein Wunder, dass das politisch eher ruhige Ghana bei irgendwelchen Unruhen in Togo sofort die Grenze schließt.

    In Aflao endet der Bus und jeder muss zu Fuß die wenigen 100 Meter zur Grenze gehen. Wenn man weit und breit der einzige Weiße ist, muss man natürlich schon damit rechnen, dass man hin und wieder mal angesprochen wird. Ich persönlich pflege die Hunderte von Hello-Schreiern komplett zu ignorieren, habe die Reisetasche per Schultergurt halb auf dem Rücken, schwitze in der Hitze wie ein Schwein und gehe schnellen Schrittes meines Weges.

    Aber nicht ohne zu versuchen, die farbenfrohe wuselige Szenerie mit Hunderten von Leuten. die mit vielen Zentnern Gepäck auf dem Kopf und auf dem Rücken Richtung Grenze laufen und von dort kommen, in ein Foto zu bannen, was nur halb gelang. Am Grenzgebäude angekommen, baut sich plötzlich ein Soldat in Uniform und mit Gewehr vor mir auf und bedeutet mir, dass ich zurückgehen soll. Nanu, was soll das denn ? Und das bei der Hitze ! Dazu habe ich keine Lust ! Nach wenigen Metern rückwärts erscheint auch schon ein aufgeregter junger Kerl in Zivil und schreit: „Hey, I am Military Intelligence. You know what you have done. Why do you continue walking and dont hear when I call you ?“. Oh je, was habe ich denn getan haben ? Vielleicht meint er die Fotos in Grenznähe. Hatte mir schon gedacht, dass das Theater geben könnte. Ich antworte in etwa: „Oh sorry, aber wenn ich da entlang gehe, rufen Hunderte nach mir. Und manche von denen sind so gut angezogen wie du. Du bist in Zivil. Wie soll ich da wissen, dass du wichtig bist ?“. Diese Texte tauschen wir ein paar Mal aus. Bis ein - vermutlich - Vorgesetzter erscheint und ihm sagt, dass er sich abregen soll. Oh, ich darf also weitergehen ohne irgendwelche Trinkgelder bezahlen zu müssen, nix wie weg.

    Die Afrikaner aus allen möglichen Ländern laufen einfach über die Grenze, ohne dass sie jemand aufhält. Sobald aber ein Europäer auftaucht, fängt der Amtsschimmel zu wiehern an. Hier, bei der Ausreise aus Ghana, muss ich zwei Formulare ausfüllen und mein Reisepass mit ghanaischem Multi-Entry-Visum wird eingescannt. Die Mehrfacheinreise ist lebenswichtig, denn für meinen Rückflug muss ich ja zurück nach Accra. Nun bin ich also im Niemandsland zwischen Ghana und Togo. Ein paar Typen nerven wieder mit irgendwelchen Hilfsangeboten: „I find a taxi for you !“,   „May I carry your bag ?“ etc. etc.. Nur einen ruhigen Typ mit gutem Hemd, der dicht hinter mir klebt, scheuche ich nicht weg. Am togolesischen Grenzgebäude hat ein Beamter in Militäruniform mit einem kleinen Tisch sein Freiluftbüro eingerichtet. Ich habe weder Geld für Togo noch ein Visum, bin aber zuversichtlich, dass ich es an dem grün gestrichenen Holztisch bekommen kann. Jetzt ist der Ruhige dran. Er bietet mir an eine nicht große Summe Ghana-Cedi in CFA (sprich: ßäfa = westafrikanische Francs) umzutauschen. Ich habe keine Wahl. Von dem Geld, das er mir eintauscht, zeigt er mir 10.000 CFA (= 15 €) und sagt „Das kostet das Visum.“ und 1.000 CFA (= 1,50 €) und sagt „Und das gibst du ihm dazu.“. Ich begrüße den togolesischen Grenzoffizier auf französisch. Er lässt Gnade walten und wechselt schnell zu Englisch. Die üblichen Fragen, woher, wohin, warum, wie lange ?. Ich sage, dass ich maximal für 9 Tage nach Togo möchte, muss zwei Formulare ausfüllen und erwartungsgemäß 15.000 CFA für das Visum bezahlen. Die 1.000 extra verschwinden blitzschnell in der Hemdtasche. „I give you seven days.“ sagt er generös. Wie gut das handgeschriebene Visum war, das er mir gab, habe ich erst später verstanden. Normalerweise hätte er mir an der Grenze nur ein Visum für einfache Einreise und 48 Stunden geben dürfen. Wenn ich länger bleiben will, hätte ich dann mindestens einen halben Tag in Lomé mit der Suche nach dem Amt zubringen müssen, bei dem ich für weitere 15.000 CFA das Visum für den längeren Zeitraum bekomme. Mit seinem Visum aber bin ich nach zwei Tagen nach Benin ausgereist und nach weiteren zwei Tagen von Benin zurück wieder nach Togo eingereist, ohne dass ich auf der Togoseite irgendwelche weiteren Kosten hatte, obwohl das Visum eigentlich nur für einfache Einreise galt und ich zwischendurch ja das Land verlassen hatte. So hatten sich die 1,50 € extra bestens bezahlt gemacht. Zwei Tage später an der Togo-Benin-Grenze saß ein total verstockter blöder fetter Kerl, der auch noch von einer Hilfsbeamtin bewacht wurde. Dort fand ich keinen Ansatzpunkt für den frisch gelernten 1.000 CFA-Trick und bekam für die 15.000 CFA ein vorgedrucktes 48-Stunden-Visum in den Pass eingeklebt.

    Endlich in Togo

    Auf der kurzen Taxifahrt von der Grenze zum Hotel bin ich vollkommen geplättet von der Aussicht auf den Strand. Entlang der ganzen Küstenlinie der Hauptstadt Lomé gibt es einen Strand breit wie die Copacabana, aber menschenleer. Am Abend an der Hotelbar erklärt mir ein älterer Herr, Däne, der in Nigeria und Benin als Journalist arbeitet, wie er sagt, aber in Lomé lebt, weil es so ruhig sei, dass deshalb niemand zum Strand geht, weil man nicht schwimmen könne. Die Strömung sei brandgefährlich. Zwei Tage später bei Grand-Popo, Benin, habe ich das am eigenen Leib gespürt und war höchst beeindruckt. Wenn man zu tief ins Wasser geht, ist man rettungslos verloren und wird 50 km weiter als Wasserleiche wieder angeschwemmt. Im Internet habe ich später Dokumente aus deutschen Kolonialzeiten gefunden. Anscheinend war es normal, dass beim Anlanden 5% - 10% der Ladung verloren gingen und nicht zu selten auch jemand ertrunken ist. Daraufhin hat man 1903 eine 350 m lange Landungsbrücke gebaut, auf der sogar eine Lokomotive fahren konnte. Eröffnungsfeier zu Kaiser's Geburtstag am 27.01.1904. Sie hielt ein paar Jahre der Kalema, der starken atlantischen Brandung, stand, bis sie am 17.05.1911 von besonders schwerer See, vielleicht war es auch ein Seebeben, zerstört wurde. Später haben die Franzosen ähnliche Versuche unternommen. Das ist, was heute davon übrig ist.

    Lomé

    Aus dem Lonely Planet Westafrika hatte ich mir aus der Low-Budget-Rubrik das Hotel Le Galion unter Schweizer Leitung ausgesucht. Die Zimmer ohne AC, aber mit Luftquirl, sind mit 14.000 CFA (= 21 €) billig, aber auch schäbig. Dafür aber ist das Restaurant phantastisch gut. Sogar solch einfache Sachen wie ein Omelette machen sie so gut, dass ich kaum genug davon bekommen kann. Später sehe ich, dass es wirklich wahr ist. In den einfachsten Bretterbuden in Togo und Benin gibt es um Klassen besseres Essen als in den Restaurants von Accra, Ghana. Sie haben es wohl von den Franzosen gelernt, während in Ghana die Briten herrschten.

    Das Le Galion hat ein sehr spezielles Rezeptionssystem. Nach 22:30 Uhr ist niemand mehr an der Hotelbar, alles schläft. Mein Zimmer ist in einem Nebengebäude zwei Häuser weiter. Auf der anderen Straßenseite vor dem Hauptgebäude sitzt ein Angestellter auf einem Plastkstuhl und hält Nachtwache. Will man nachts ausgehen, so gibt man seinen Zimmerschlüssel bei ihm ab. Bei der Rückkehr kann man ihm problemlos den Schlüssel aus der Brusttasche ziehen, ohne den armen Kerl aufzuwecken.

    Der Besitzer des Hotels, ein junger Schweizer, spricht nur französisch. Er schärft mir ein den Motorradtaxis niemals mehr als 300 CFA (= 45 Eurocent) zu bezahlen. Motorradtaxi war ich noch nie gefahren. Da ich noch nie Frau war, bin ich auch nicht gewohnt auf einem Motorrad hinten zu sitzen. Aber es hat einen Riesenspaß gemacht sich bei der Hitze den Fahrtwind um den Haarkranz wehen zu lassen und super funktioniert. Man muß niemals lange nach einem suchen und kommt bequem und billig überall hin.

    Auf dem Stadtplan Lomé im Lonely Planet finde ich einen „Gare du Cotonou“ (= Bahnhof von Cotonou, Hauptstadt des Nachbarstaates Benin). Die Deutschen hatten 4 Bahnlinien in ihrer Kolonie gebaut. War davon etwa noch etwas übrig ? Also das nächste Motorrad anhalten und den Preis für Gare du Cotonou ausmachen. Dsching, dsching, dsching, drei Geraden und vier Kurven und das Motorrad hält an einer ganz normalen Straßenkreuzung an. „Ou est le gare ?“   „Ici !“. Der ganze Bahnhof besteht aus drei oder vier Peugeot und Toyota, die an einer Ecke parken und auf Passagiere nach Cotonou warten. Ich suche mir einen Fahrer aus, der vernünftige Preisvorschläge macht und auch englisch spricht. Da meine Kamera mehr Futter braucht, als Lomé bieten kann, verabrede ich für den nächsten Tag eine Fahrt nach Togoville und tausche Telefonnummern mit ihm aus.

    Togoville am Togosee

    Auf der Fahrt entstehen diese Fotos. Schon am ersten Tag hatte ich mich über diese zahlreichen Angebote gewundert. Wenn das selbstgebrannter Schnaps oder ähnliches ist, muß Togo zur Hälfte von Alkoholikern bewohnt sein. Erst da habe ich kapiert, was es ist ! Eine Tankstelle ! Was für ein Unterschied zu Ghana ! Hinsichtlich Infrastruktur und wirtschaftlicher Entwicklung liegt Togo Jahrzehnte hinter Ghana zurück.   Zuerst führt die Fahrt entlang der Küstenstraße Richtung Osten, also Richtung Benin. Kurz hinter Aneho, zu deutschen Zeiten nannte man es Klein-Popo, zweigt die Route auf eine Sandpiste ins Landesinnere ab. Hier brachte im Jahre 1884 der Afrikareisende Gustav Nachtigal das Kunststück fertig, König Mlapa III. von Togoville davon zu überzeugen, dass er und der Deutsche Kaiser sich unbedingt gegenseitig verteidigen sollten und einen entsprechenden Vertrag zu unterzeichnen. Um diese Leistung zu würdigen, muss man sich klar machen, dass Herr Nachtigal im Gegensatz zu Engländern und Franzosen in der gesamten Region über keinerlei Infrastruktur verfügte und sein Vorhaben auch sicher nirgendwo an die große Glocke hängen konnte.

    Togoville am Togosee ist heute, vom Mlapa-Museum abgesehen, ein Marktflecken und vor allem als Wallfahrtsort bekannt. Im Jahre 1985 kam Papst Johannes Paul II. zu Besuch. Man brachte ihn über den See hierher. Und schon zwei Jahre vorher war Franz Josef Strauß zu Gast, woran dieses Denkmal erinnert. Die Kirche wurde 1910, also noch zu deutscher Zeit erbaut. Die schönen Malereien im Innern zeigen afrikanische Szenen und sind französisch beschriftet. Hoch oben dazwischen hängt aber noch etwas anderes. Es sind alte Bilder zum Kreuzweg mit altem Holzrahmen und deutscher Beschriftung, wie man hier sieht. Übrigens kann man Fotos wie diese nicht einfach so machen. In dem Moment, in dem ich meine Kamera auf den Brunnen richte, würden die Frauen davon rennen. Man muß ihnen gut zureden und etwas Geld geben, dann bleiben sie stehen.

    Benin

    Am nächsten Tag sage ich „Adieux Togo“ und lasse mich von Donnée, dem Fahrer von gestern, mit seinem Toyota Corolla, amtl. Kennzeichen Togo, 8024 AE, nach Benin fahren. Das Kennzeichen weiß ich deshalb noch, weil ich es von jetzt ab bei jedem Grenzübertritt zu meinem sonstigen Daten angeben muß. Während Donnée mit meinem Gepäck schon längst über die Grenze gefahren ist, sitze ich zunächst mal auf einer Bank vor den Togolesen zwecks Ausreise und dann vor den Benin-Leuten zwecks Visumserteilung zur Einreise und habe jedes Mal mindestens zwei Formulare auszufüllen, sobald ich dran komme, und zwar inklusive des Kennzeichens meines Transportmittels. Donnée wartet brav mit meinem Gepäck im Auto bis ich fertig bin. Als erstes tankt er an einem Buschladen in einem Seitenweg, weil das geschmuggelte Benzin in Benin noch viel billiger ist als das geschmuggelte Benzin in Togo. Er will aber nur bis Grand-Popo fahren, so daß ich schließlich in der Auberge Grand-Popo direkt an einem Traumstrand lande. So schön der Strand auch ist, dieses Groß-Popo ist keine Stadt sondern nur ein größeres Gebiet, wo hin und wieder ein paar Häuser stehen. Im Hotel gibt es 6 Krankenschwestern aus Quebec, 2 junge, 2 mittelalte und 2 alte, die aber ständig schon irgendwo verabredet sind, und auch sonst ist hier der Hund begraben (im Gegensatz zu Cotonou, was wohl die bessere Wahl gewesen wäre). So bin ich nicht abgeneigt, auf Mathias Angebot einzugehen. Er ist am Strand aufgetaucht und hat sich als der große Fremdenführer vorgestellt. Am nächsten Morgen könne man entweder ein Boot mieten und die Lagune und die Fischerdörfer besuchen, oder das alte portugiesische Dorf mit den Fetischen anschauen. Ich will natürlich beides und soll dafür 15.000 CFA bezahlen. Kein Problem, denn zum Glück hatte ich am Geldautomaten der ECO-Bank in Lomé noch mal ordentlich CFA gebunkert. Hier in diesem Popo kann mir niemand wechseln, und auch im Hotel wird nur CFA-Bares angenommen. Um weitere CFA zu bekommen müsste ich zurück zur Grenze oder weiter bis Cotonou. Am Abend gehe ich mangels Alternativen früh schlafen und träume davon, ins Prestige nach Lomé gebeamt zu werden.

    Dahomey, Abomey, Ouidah und Voodoo

    Was ist eigentlich Benin ? Nach einem Blick in den Lonely Planet wird mir klar, daß ich als Zehnjähriger schon mal Briefmarken aus diesem Land in der Hand hatte. Es hieß damals aber noch Dahomey. Dieser Name kam von Abomey, einer Stadt etwas im Landesinneren, wo die bösen Könige residierten, die ihre bestens mit europäischen Feuerwaffen ausgerüsteten Soldaten Jagd auf alle anderen Afrikaner machen ließen, um sie als Sklaven an die Europäer zu verkaufen. So besaß die heutzutage praktisch unbekannte Stadt Ouidah (engl. Whydah) denjenigen Hafen, über den mit Abstand am meisten Menschen in die Neue Welt verschleppt wurden, mehrere Hunderttausend oder vielleicht sogar mehr als eine Million, und zwar überwiegend nach Haiti und nach Brasilien. So kam der aus Haiti bekannte Voodoo-Kult und das Candomblé aus Brasiliens Provinz Bahia von hier aus Dahomey. Denn Dahomey ist die Wiege des Voodoo, und im heutigen Benin ist Voodoo sogar Staatsreligion. Der Name Benin geht auf ein altes afrikanisches Königreich zurück, das allerdings auf dem Gebiet des heutigen Nigeria lag. Deshalb nicht wundern, dass die Stadt Benin City in Nigeria und nicht in Benin liegt. Übrigens liegt Togo auf Platz 152 und Benin auf Platz 163 von 177 erfassten Ländern des Human Development Index.

    Lagune Grand-Popo, Fische und jede Menge Fetische

    Am anderen Morgen fahren wir also mit diesem Boot überall in der Lagune herum und besuchen auch eine Fischerfamilie. Zum Fotografieren muss ich immer warten bis Mathias sagt: „You can take a photo now“. Er hat dann vorher mit den Leuten darüber gesprochen und etwas Geld bezahlt. Leute fotografieren ohne zu bezahlen ist folglich Diebstahl und wird dem entsprechend häufig mit wütenden Protesten quittiert. In diesem Fall hier hat die Dame des Hauses lediglich ihre Brüste ein wenig besser verpackt. Auf dem Dorf scheint aber Oben ohne in häuslicher Umgebung normal zu sein. Kein Wunder, bei der Hitze. Danach sind wir im alten Dorf Heve von Fetisch zu Fetisch gewandert. Jeder der Burschen ist für etwas anderes zuständig. Einer behütet das Dorf insgesamt vor bösen Geistern, der nächste sorgt für reichen Fischfang und wenn man vor dem dritten nur lange genug betet, kann einem im Straßenverkehr nie mehr etwas passieren - was die Fahrweise vieler Moped- und Autofahrer erklärt. Auch wenn man sich sonst bei der Darstellung der körperlichen Details nicht viel Mühe gibt, ein Detail ist immer deutlich erkennbar, es liegt ein wenig weiter unten und ragt mittschiffs horizontal nach vorne: Fetische sind offenbar grundsätzlich männlich ! Natürlich muss Mathias bei jedem Fetisch etwas bezahlen, sofern jemand in der Nähe ist.

    Ouidah:   Der Weg der Sklaven und das Haus der Python

    Nun war es noch vor zwölf und Mathias' Touristikprogramm schon zu Ende. Aus dem Lonely Planet wusste ich, dass Ouidah weniger als 50 km entfernt war und der nächste Ort, in dem es vielleicht etwas zu sehen gab. Für Mathias' Moped war die Strecke zu weit. So stehen wir an der Straße und warten auf ein Auto. Das erste, das in Frage kommt, ist ein alter Peugeot mit 6 Insassen. Ich fand, das Auto ist voll, Mathias fand nicht. Auf der Rückfahrt bin ich mit vier Leuten hinten sogar eingeschlafen. Ich habe echt Angst bekommen zu afrikanisch zu werden. In Ouidah suchen wir uns ein Mototaxi, machen einen Pauschalpreis aus, und fahren zu dritt auf dem Moped auf Empfehlung seines Besitzers erst mal zum Museum. Leider darf man nur außen fotografieren. Die Franzosen haben ihre Kolonie Dahomey 1960 in die Unabhängigkeit entlassen. Die Portugiesen haben ihren Stützpunkt Ouidah, in dem das heutige Museum untergebracht ist, aber erst 1961 aufgegeben. Da das nicht im gegenseitigen Einvernehmen geschah, zogen sie es vor verbrannte Erde zu hinterlassen. So ist dieses ehemalige Lenkrad alles, was vom Dienst-Citroen des Kommandanten übrig geblieben ist. Ein Beweis, dass hier wirklich Portugiesen war, ist das:   Azulejos ! In arabischer Zeit hatten die Portugiesen diese Mode der „bemalten Steinchen“ entwickelt und sie steht dort noch heute hoch im Kurs (siehe hier und hier). Dann fuhren wir den 4 km langen Weg der Sklaven bis zum Denkmal Non-Retour. Vom Sklavenmarkt (Place Cha Cha) im Ortskern Ouidah mussten die Gefangenen den Weg zum Meer zu Fuss zurücklegen. Entlang des Weges waren seltsame Figuren aufgestellt, die abergläubige Menschen sicher beeindrucken konnten. So dienten diese Figuren wohl dazu die künftigen Sklaven einzuschüchtern, damit sie möglichst wenig Scherereien vor ihrer Verschiffung in die Neue Welt machten. Am Meer ist keine Spur eines Hafens mehr zu sehen. Wohl alles der starken Brandung zum Opfer gefallen. Der letzte Besichtigungspunkt vor der Rückfahrt war dann das Maison Python. Ohne dass groß gefragt wird, bekommt man so ein glitschiges Viech in die Hand gedrückt. Dazu erklärt der Guide: „We do not feed the python. In the night we leave the door open and the python has to go for food on their own.“.

    Sehnsucht nach Labadi Beach

    Der Sonntag nachmittag ist die beste Zeit der ganzen Woche am Labadi Beach. Es ist jetzt kurz vor acht und ich hoffe, dass das bestellte Taxi bald kommt. Ich habe genug von Groß-Popo. Donnée ist pünktlich und in Rekordzeit bringt er mich bis zur ghanaischen Grenze. Bei der Ausreise aus Benin hatte der Grenzvogel noch etwas mit dem 48-Stunden-Visum probiert. Aber ich konnte beweisen, dass ich nur 47 Stunden in Benin war. Die 60 km togolesische Küstenline waren schnell zurückgelegt. An der Grenzstation bei der Ausreise aus Togo gab es viele Störer. Aber ich war so scharf darauf rechtzeitig zum Labadi Beach zu kommen, dass ich die notfalls auch alle umgemäht hätte. Die zwei jungen Beamte im Vorzimmer des ghanaischen Obereinreiseinspektors hingegen fragten so freundlich nach einem kleinen Sonntags-Bakschisch, dass ich gerne etwas spendete. Dafür haben sie sich mindestens 20 Mal bedankt, einen schönen Sonntag, eine schöne Reise und überhaupt ein schönes Leben gewünscht. Nun nur noch ein paar Meter zum STC-Bus und hoffen, dass es bald weiter geht. Oh nein, „No service today“ steht da groß angeschrieben. Ein paar Taxifahrer wollen die Situation ausschlachten. Aber ich finde schnell einen Privatfahrer, der gerade jemanden aus Accra hergebracht hat und jetzt eigentlich leer zurückfahren würde. Sein Auto sieht auch gut aus, und so erreiche ich Accra um Punkt zwölf. Der Nachmittag am Strand ist gerettet !


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    © Claus Seyfried


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    Labadi Beach
    Labadi Beach



    Makola Market
    Makola Market, Accra



    Cape Coast
    Cape Coast



    Elmina
    Festung Elmina



    Lomé
    Lomé (Togo)



    Lomé
    Lomé (Togo)



    Tankstelle
    Tankstelle Togo !



    Kreuzweg
    Kreuzweg aus deutscher Zeit



    Fischfang Benin
    Fischfang bei Grand-Popo



    Maison Python
    Haus der Python
    Ouidah (Benin)



    Ouidah
    Weg der Sklaven
    Ouidah (Benin)



    Bauernmarkt Elmina
    Bauernmarkt Elmina